1 | St. Anna Orgel | Firma Klais | Opus 718 | 1930

Die Klais-Orgel in St. Anna Windberg im Spiegel der Pfarrchronik

Es gab vor der 1929 erbauten Orgel zwei Vorläufer-Orgeln, auf die die Pfarrchronik jedoch nur kurz eingeht: 1907 wurde die alte Orgel der Münsterkirche abgebrochen und dem Windberg geschenkt, später aber verkauft für 1300 Mark. Hier sei erwähnt, dass die neue Anna-Kirche erst Weihnachten 1911 fertig gestellt war. Sollte der Erwerb für diese neue Kirche gedacht gewesen sein? Wie auch immer, die neue Kirche blieb zunächst ohne Orgel. 1913 heißt es in der Chronik: Am 8. Dezember wurde die Akustik in der Kirche durch den Sprachlehrer Herrn Karl Schmalz aus Rostock geprüft und für herrlich befunden. Auch der Predigtstuhl stehe an richtiger Stelle. Als 1920 die alte Kapelle abgerissen wurde, verwendete man verschiedene Inventarteile anderweitig: Aus dem Holz der Bühne in der Kapelle wurde die Etagenbühne auf der Orgel der neuen Kirche gebaut. Diese Formulierung erlaubt den Schluss, dass inzwischen eine Orgel beschafft worden sein dürfte. Gewissheit erlangen wir darüber 1923: Am 16. März gab der Kirchenchor ein Konzert zugunsten der Beschaffung einer neuen Orgel, da die alte sehr oft versagt, zudem nur ein Leihinstrument ist. Das Konzert erbrachte übrigens einen Reinerlös von 300 Mark ein. 1927 war es endlich soweit: In seiner Sitzung am 16. November beschloss der Kirchenvorstand die Anschaffung einer neuen Orgel durch Aufnahme einer Anleihe bei den Pfarrmitgliedern. Es sollen die Mitglieder des Kirchenvorstandes auf einem Rundgang durch die Pfarre Zeichnungen von 100 Mark und höher einholen, die in den nächsten 10 Jahren zurückgezahlt und mit 6% verzinst werden sollen. Anfangs März 1928 haben die Zeichnungen eingesetzt. Es steht zu hoffen, dass die nötige Summe so aufgebracht wird. Ein Abschluss der Zeichnungen liegt in diesem Augenblick noch nicht vor. Doch kann die allgemeine Erfahrung schon ausgesprochen werden: Wie immer und überall sind die „kleinen“ Leute die gebewilligsten und lassen manchen Besitzenden weit hinter sich zurück.

Am 8. April 1929 war es endlich soweit: (..) gegen Mittag trafen zwei Orgelbauer der Firma Klais hier ein, und bald fuhren auch zwei große Automobilwagen vor, die alle Aufbaustücke der Orgel in sich bargen. Die alte Orgel wurde sofort abgebrochen und ging nach Bonn zurück (das oben genannte Leihinstrument war also ebenfalls von der Fa. Klais aus Bonn). Die beiden Orgelbauer werden nach ihren Aussagen 14 Tage Arbeit haben, dann kommen zur Fertigstellung der Orgel zwei andere Herren, so dass in ca. vier Wochen der Aufbau vollendet sein wird. Die Orgel hat 35 klingende Register und alle modernen Einrichtungen des neuzeitlichen Orgelbaus. Für alle Fälle ist eine Notorgel mit besonderem Spieltisch eingebaut, wenn einmal die elektrische Stromleitung versagen sollte. Wir hoffen, ein schönes, wohlklingendes Instrument zu bekommen.

 

Die Orgel wurde fertig in der 1. Maiwoche und eingeweiht am 26. Mai, dem Tage der Frühkirmes, vor dem feierlichen Hochamte. In einem eigens zur Orgelweihe gedruckten Blatt schreibt der damalige Pfarrer Joseph Floehr u.a.: Unsere Orgel hat 35 Register (Stimmen) 2046 klingende und 18 stumme Pfeifen, die im Prospekt (vordere Ansicht) aufgestellt sind; dazu die verschiedensten technischen Einrichtungen als Spielhilfen (für Tonverstärkung und Tonabschwächung und Stimmenkopplung). (..) Die Orgel ist in ihrem äußeren Aufbau ganz in die Architektur der Empore und er Kirche eingeordnet; die schöne Harmonie aller architektonischen Linien im Auf- und Einbau kann man am besten von den Altarstufen aus bewundern. Dort schaut man auch in die farbenfunkelnden Eckfenster, die den Orgelprospekt glücklich flankieren und selber wie klingende Musik wirken. Das wohlgelungene Orgelwerk stammt aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Johannes Klais in Bonn, der es um den Preis von 30.000 Reichsmark (ohne Aufbaukosten) der Kirche lieferte.

Weiter heißt es in der Pfarrchronik zur Einweihungsfeier: Herr Musikdirektor Bönn von der Hauptpfarre spielte die Orgel, führte die einzelnen Register allein und im Zusammenklang miteinander vor. Wir dürfen die Orgel als ein wohlgelungenes, schönes Instrument ansprechen, das sehr glücklich in die Architektur der Kirche eingebaut ist und in Bezug auf Klangschönheit und Klangstärke hohen Ansprüchen genügt. Das Urteil der Nachbarorganisten (Joeres von Viersen, Bönn, Eigelshoven, Konnertz, etc.) ist durchaus günstig und lobend; beim Volksgesang in der 8-Uhr-Messe behält die Orgel vollkommen die Führung. So dürfen wir mit dem Werk recht zufrieden sein; es wird auf lange Jahre für die Kirche genügen.

 

Am 30. Dezember 1929 konnte der Pfarrer dem Orgelbauer die Restsumme des Kaufpreises der neuen Orgel in Höhe von 6.000 Mark einhändigen, so dass nunmehr die neue Orgel ein halbes Jahr nach ihrer Aufstellung voll bezahlt ist. Die Orgelzeichnungen sind in ein besonderes Buch eingetragen worden; alle Verpflichtungen, die darauf ruhen, sind dabei eingetragen, Gottes Segen allen, die zu dem schönen Werk ihren Teil beigetragen haben.

 

Danach findet sich in der Chronik kein Vermerk mehr zur Orgel, was sicherlich auch dem Umstand zuzuschreiben ist, dass das Instrument weder in den Kriegswirren noch zu anderer Zeit ernsthaft Schaden genommen hat.

 

Inzwischen steht das Instrument unter Denkmal- schutz, da es zu den wenigen, original erhaltenen Klais-Orgeln aus den 1920er Jahren zählt.

 

Gerd Lamers

 

(Erschienen 1999 in Heft 27; in der Pfarrbrief-Ausgabe Aug./Sept. 1999)

Disposition (Anordnung oberhalb der Klaviaturen)

 

Pedal C – f'

 

01 | Koppel – II-P

02 | Koppel I-P

03 | Prinzipal – 16'

04 | Subbass – 16'

05 | Zartbass – 16'

06 | Oktavbass – 8'

07 | Gedecktbass – 8'

08 | Salicet – 8'

09 | Choralbass – 4'

10 | Progressio 3f – 5,1/2'

11 | Posaune – 16'

Hauptwerk C – f'''

 

12 | Bordun – 16'

13 | Principal – 8'

14 | Violoncello – 8'

15 | Offenflöte – 8'

16 | Nachthorn – 8‘

17 | Dulciana – 8'

18 | Oktave – 4'

19 | Rohrflöte – 4'

20 | Gemquinte 2,2/3'

21 | Superoktav – 2'

22 | Cornet 3–4f – 2,2/3'

23 | Mixtur 4f – 2'

24 | Trompete – 8'

Manualkoppel

 

25 | Sub – II-I

26 | Normalkoppel – II-I

27 | Super – II-I

Oberwerk C – f'''

 

28 | Quintadena – 16'

29 | Geigenprincipal – 8'

30 | Rohrflöte – 8'

31 | Salicional – 8'

32 | Vox coelestis – 8'

33 | Praestant – 4'

34 | Querflöte – 4'

35 | Nachthorn – 4'

36 | Sesquialter 2f – 2,2/3'

37 | Cymbal 3–4f – 1'

38 | Krummhorn – 8'

39 | Oboe – 8'

40 | Kopfregal – 4'

41 | Sub – II-II

42 | Super – II-II

Spielhilfen

 

• Tutti

• Forte

• Mezzoforte

• Piano

 

Auslöser

 

• Handregister

• FC 1

• FC 2

 

Einrichtungen am Spieltisch

 

• Tremolo II. Manual

• Registerwalze ab

• Zungen ab

Einsteller in der Walze

 

• Sub II-I

• Super II-I

 

Absteller in der Walze

 

• II-I

• I-P

• II-P

• 16'-Manual

 

Generalkoppel

 

Die Traktur der Manual und Registersteuerung ist elektropneumatisch.

2 | St. Peter Orgel im Italienischen Stil | Firma Josef Weimbs, Hellenthal | Opus 228 | 1990 | Seit August 2008 im linken Seitenschiff in St. Anna

Die Orgel aus der geschlossenen Pfarrkirche St. Peter

Kopie eines altitalienischen Orgelwerks oder ein eigenständiges Werk mit italienischen Einflüssen?

 

Wechselvoll waren die Überlegungen, die zur Auswahl des Standortes und des Stils der neuen Orgel für St. Peter führten.

 

Hier werden nur die wichtigsten Phasen der Planung wiedergegeben.

 

Anschreiben der Kirchengemeinde an die Orgelbaufirma Weimbs mit der Bitte um ein Kostenangebot für eine neue Orgel. Beigelegt ist das Leistungsverzeichnis des Orgelsachberaters des Bistums Aachen, Herrn KMD Viktor Scholz, Münsterkantor in Mönchengladbach.

 

Geplant ist ein Orgelwerk mit 24 Registern, salopp gesagt eine "deftig - rheinische Lieblichkeit" in bodenständiger deutscher Bauweise. Der vorgeschlagene Standort ist die rechte Seitenwand des Chors.

 

Der von den Orgelbauern von Anfang an favorisierte Standort der Orgel auf der Empore wird Ausgangs- punkt für eine grundlegende Neuplanung.

 

Zur Bereicherung der Orgellandschaft wird an ein Instrument im italienischen Stil gedacht und eine neue Disposition von KMD Viktor Scholz, Karl Hütz und Guiseppe Zanaboni, Direktor des Conservatorio di Musica "Guiseppe Nicolini" in Piacenza/l, erarbeitet.

 

Gutachten über die Tragfähigkeit der Empore, die immerhin eine Last von fast 4 Tonnen aufnehmen muss.

 

Entwurf zur äußeren und technischen Gestaltung des Orgelwerks.

 

Unterschrift des Bauvertrags zwischen der Kirchengemeinde und der Orgelbaufirma.

 

Studienreise der Planungsbeteiligten nach Piacenza, wo durch M°. Zanaboni und M°. Paperi dankens- werterweise die Möglichkeit gegeben wurde, Orgeln aus verschiedenen Zeitepochen (überwiegend Serassi-Orgeln) akustisch wie technisch aufzunehmen.

 

Nach dieser Studienfahrt, die bei allen Beteiligten einen bleibenden Eindruck von der faszinierenden Klangwelt dieser ursprünglich einmanualigen Instrumente hinterließ, war der Fragenkatalog zum Bau der Orgel noch angewachsen.

 

Lassen wir ein Instrument entstehen, das eine getreue Kopie des Originals ist und somit nur ein weniger gutes Duplikat sein kann oder spielen wir mit den seit altersher bekannten Gemeinsamkeiten der Orgeltypen, die sich erst im späten 16. Jahrhundert durch nationale bzw. landschaftlich gebundene Veränderungen der Charaktere zu unterscheiden beginnen?

Vielschichtig waren auch die Aspekte, die in Bezug auf die Mechanik, den Windladentyp und Materialien aus möglichst vielen Blickwinkeln betrachtet und abgewogen sein wollten.

 

Nun steht sie droben, auf der Empore.

 

Der erste optische Eindruck - eine Italienerin!

 

Doch - wie auch beim Menschen - zeigt sich hinter der Larve das wahre Gesicht! Tauchen wir ein in die Physiognomie, in die Welt der Hebel und Winkelchen, die Welt der großen und kleinen Stimmen und lassen uns den folgenden, etwas trockenen Stoff des technischen Aufbaus servieren wie ein vielgängiges Menue.

 

Nicht verleugnend den französischen Einfluss auf den rheinischen Orgelbau, basieren die Berechnungen des Herzstücks der Orgel - den Windladen - im Bereich des Windverbrauchs, der Kanzellen und Ventile auf dem reichen Erfahrungsschatz der alten franz. Meister.

 

Erbaut in sauberster deutscher Manier, als gespundete Schleifladen.

 

Die Spieltraktur, die wie sensible Nervenstränge das Spiel der Organistenhände von den Tasten durch Hebel, Abstrakten, Winkel, Wellen und Ärmchen zu den Ventilen überträgt, ist in präzisester deutscher Feinmechanik mit den verschiedensten Materialien ausgeführt.

 

Für die Abstrakten (Zugruten), wie auch die Ventile der Laden wurde Zedernholz verwendet, ein ölhaltiges, sehr biegsames leichtes Holz.

 

Die Wellen aus V2A-Stahl, Ärmchen aus Eisen, Gewindedrähte und Zwischenglieder aus Messing. Die Lagerung der Wellen aus Resitex, um eine möglichst genaue und spielfreie Übertragung der Bewegungen zu gewährleisten.

 

Das Ganze als "Hängetraktur" – sospeso – wie der Italiener melodiös sagt, gebaut.

 

Über die in Eichenholz gefertigte Registertraktur werden durch Verschieben der aus Edelholz geformten Registerschieber die einzelnen Stimmen der Orgel zu- und abgeschaltet. Die Lungen des Werkes bestehen aus drei Bälgen - für jedes Werk ein Balg - die durch ein elektrisches Schleudergebläse mit Wind versorgt werden. Ein Rollenventil vor jedem Balg sorgt für rechtzeitigen Nachschub. Der in den Bälgen komprimierte Wind wird durch quadratische Holzkanäle hindurch in die einzelnen Windladen eingespeist.

 

Die Stimmen (Register) der Orgel sind ein gar deliziöses Konglomerat von großen und kleinen Pfeifen, Bauformen, Materialien und Klangfarben.

Für die Weiten- und Labienbestimmung der Pfeifen ist ein fast kabalistisch anmutendes Zahlenspiel mit Arcanen von Nöten, das uns heutigen, abgeflachten und nüchtern denkenden Praktikern nur noch schwer erschließbar ist. Jedoch, dieses macht den Reiz und die Mischfähigkeit der Register untereinander aus, wie sich das an den vielen erhaltenen alten Orgelwerken, egal ob aus Nord oder Süd, Ost oder West, nachweisen läßt. Trotz größter Verwandtschaft hebt sich - hier im Besonderen - der sangesfreudige, elegante romanische Charakter wohltuend von der etwas herben nordischen Mentalität ab. Die etwas größeren Bleianteile der Zinn-Blei-Legierungen fördern den weichen und grundtönigen Gesang der Stimmen, ohne den Glanz wesentlich zu vermindern.

 

Dazu beeinflußt die Bauform, ob einfach zylindrisch, trichterförmig oder konisch, den Klang nicht minder. Deutlich wird das in den Zungenstimmen Tromba 8' und Oboe 8'. Im heutigen Orgelbau von gleicher Bauart und verwandtem Klang wurde die Oboe 8' des Espressivo in der im 16. und 17. Jahrhundert gebräuchlichen zylindrischen Körperform und die Tromba 8' mit verkürztem Schallbecher gebaut. Um jedoch unsere Ohren nicht mit der früher üblichen Klanggewalt zu malträtieren, wurden zwei über-einandergelegte Zungenblätter (hin- und herschwingende, tonerzeugende Messingblätter) zur Kräftedämpfung eingesetzt. Der Spieltisch ist als Schaltzentrale der Werkplatz des Organisten, in dem alle Nervenbahnen (Spiel- und Registertrakturen) zusammenlaufen.

 

Das wenige Sichtbare, die mit argentinischem Büffelknochen und Ebenholz belegten Manualtasten, das eichene Pedalklavier und die Registerschieber, sind nur der unscheinbarste Teil. Ein Gewirr aus Drähten, Wippen und Hebeln, das die Verbindung der einzelnen Werke untereinander und die Übertragung der Bewegungen auf die übrige Traktur bewältigt, verbirgt sich hinter der schützenden Wand des Gehäuses.

 

Das Tragegerüst der Orgel ist als integrierter Teil des Gehäuses in Eichenholz angelegt, und die Hauptlast wird - wie beim Menschen von der Wirbelsäule - vom Skelett der Rückwand des Frontgehäuses aufgenommen und abgeleitet. Das Gehäuse, aus nordischer Fichte gearbeitet, präsentiert sich mit seiner italienischen Prospektform in einem modernen Gewand, das sich durch auf ein Minimum reduziertes schmückendes Beiwerk als Pfeifenabschluß, mit seiner klaren Linienführung dem strengen Kirchenraum unterordnet. Für die Oberflächen und die Farben wurden bewußt nur naturbelassene Wachse und Öle verwendet, wie z.B. Lein- und Orangenöl, Bienenwachs, Erdpigmente etc.

 

Somit kann abschließend gesagt werden, daß weder ein Duplikat einer altitalienischen Orgel, noch ein starr-deutsches Werk geschaffen wurde, sondern eine Cosmopolitin, in der sich die verschiedensten Materialien aus allen Himmelsrichtungen zu einem, den Höchsten preisenden Ganzen vereinigen.

 

Valentin Micken

Chronologie der neuen Orgel von St. Peter

 

8. Januar 1984 – Die Pfarrkirche St. Peter in Mönchengladbach-Wald-hausen hat keine funktionierende Orgel mehr. Eine durchgreifende Reparatur der Orgel wurde wegen des ungünstigen Standortes und der Materialien der damaligen Zeit sowie den Kosten, die sich in Höhe einer Neuanschaffung bewegten, nicht in Betracht gezogen.

 

März 1984 – Die Verhandlungen zum Kauf unserer kleinen Chororgel, die aus Holland stammt, kommen zum Abschluß. Überlegungen zum Bau einer neuen Orgel werden von Pastor Schumacher und Karl Hütz geführt.

 

Mai 1984 – Auf Grund dieser Überlegungen wird dann der Orgelsachverständige KM D Scholz vom Organisten um eine erste Stellungnahme gebeten.

 

16. Mai 1984 – Um die Finanzierungsmöglichkeiten unserer Gemeinde einschätzen zu können, gründet sich der "OFA" (Orgelfinanzierungsausschuß), der in der laufenden Planungszeit zu mehreren Sitzungen zusammentritt. Auf Grund des unerwarteten hohen Spendenaufkommens kann der OFA seine Tätigkeit im April 88 einstellen und sich damit auflösen. Während dessen gehen die Ausschreibungsunterlagen über das Musikreferat an das Generalvikariat Aachen zur Genehmigung. Daraufhin kann die Pfarre am 12. 7. 84 - fünf Orgelfirmen anschreiben, die ihre Entwürfe und Kostenvoranschläge bis Ende August d. J. abgeben sollen. In diesen Sommerferien und auch davor fuhren der Pastor und der Organist zu Kirchen im engeren und weiteren Umkreis und inspizierten Orgeln dieser Firmen.

 

22. Oktober 1984 – An diesem Abend konnten in einer Pfarrversammlung die Entwürfe der Orgelfirmen und die Kosten für ein solches Projekt der Gemeinde vorgestellt werden. Es kam zu lebhaften Diskussionen zwischen "Befürwortern und Gegnern" einer Pfeifenorgel, wobei die Verantwortung in Bezug auf soziale Gesichtspunkte in der Rarre und in der Welt im Mittelpunkt stand. Schließlich entschied man sich für den Bau eines neuen Instruments und gab diese Empfehlung an die Pfarrgremien weiter.

 

27.Dezember 1984 – Damit war der Weg zu weiteren Planungen frei. Die Bauabteilung des GV Aachen konnte nun endgültig zur Klärung der Orgelbaumaßnahmen mit einem Startkapital von DM 70.000,-eingeschaltet werden.

 

29. September 1985 – An diesem Tag fand eine Orgelfahrt statt, nachdem in der Zwischenzeit die Kostenvoranschläge und Zeichnungen durch den Kirchenvorstand und den Organisten sowie den Sachverständigen ausgewertet waren und nach ausgiebiger Beratung die Firma Weimbs bevorzugt wurde. Also besichtigten die Mitglieder des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes die Orgeln der Pfarren Franz Sales, Jülich, Herz-Jesu, Stolberg-Münsterbusch und Herz-Jesu, Euskirchen, die klanglich von Herrn Hütz vorgestellt wurden. Bis zum Jahresende stieg das Orgelkonto bereits auf über DM 170.000,-.

 

16. Mai 1985 – Das Generalvikariat Aachen bestätigt den Beschluß des Kirchenvorstandes und erteilt die grundsätzliche Genehmigung zum Bau der Orgel durch die Firma Weimbs. Im weiteren Verlauf der Planung steht immer wieder die Standortfrage zur Diskussion.

 

April 1987 – Zu diesem Zeitpunkt ist die Diskussion soweit fortgeschritten, daß man die vordere Empore als Standort in Betracht zieht.Die Orgel soll soweit wie möglich an die Brüstung herangebaut werden und evtl. eine seitenspielige Anlage erhalten. Bei dieser Bauweise wird die Problematik der liturgischen Chorarbeit durch den Organisten in die Diskussion eingebracht. Schließlich kommt es zu einer außergewöhnlichen Lösung aller anstehenden Fragen. Der Orgelsachverständige schlägt vor, eine Orgel in Anlehnung an die "italienische Bauweise" zu bauen. Dieses Instrument soll ca. 2 m von der Brüstung entfernt mit einer mittelspieligen Anlage errichtet werden, so daß sie in der Mittelachse der Kirche steht. Die Registerzahl soll um ein typisch ital. Register erweitert werden und die Gehäusegestaltung sich der Architektur der St.-Peter-Kirche anpassen. Damit würde in St. Peter eine einmalige außergewöhnliche Orgel für die liturgischen und konzertanten Aufgaben entstehen.

 

Mai 1987 – Diese neuen Vorstellungen werden in der nächsten Besprechung mit dem Kirchenvorstand, unter Vorsitz von Pastor Schumacher, der Orgelbaufirma Weimbs, Herrn Hütz, Herrn Scholz und dem GV Aachen unter Leitung von Dipl.-lng. F. Reidt als gut befürwortet.

 

21. Mai 1987 – Ein statisches Gutachten in Bezug auf die Tragfähigkeit der Empore wurde durch das Ingenieurbüro W. Böhmer und Partner erstellt.

 

21. Juli 1987 – Diese Prüfung ergab eine Belastbarkeit von 500 kg/m2, ausreichend für die Orgel mit ca. 3.800 kg Gewicht und dem Chor. Daraufhin erarbeitete der Orgelbauer einen neuen Kostenvoranschlag, der sich auf DM 399.561,- belief. Die Prospektzeichnung trug eindeutig italienische Züge.

 

25. September 1987 – Ein Modell von Kirche und Orgel soll die Größenverhältnisse ersichtlich machen. Dieses Modell wurde dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand zur Begutachtung vorgestellt und stand bis zu Beginn der Bauarbeiten für alle zur Besichtigung in unserer Kirche.

 

30. Januar 1988 – Die Pfarrgemeinde, vertreten durch Herrn Pastor Schumacher und den Kirchenvorstand und die Orgelbaufirma Weimbs/Hellenthal, vertreten durch die Herren J. u. Friedb. Weimbs, unterzeichnen den Bauvertrag. Im Verlauf der nächsten Zeit werden die Entwürfe immer konkreter, und die Zeichnungen geben einen immer genaueren Überblick.

 

3. Oktober 1988 – Um genaue klangliche Vorstellungen zu entwickeln, fahren V. Scholz, F. Weimbs, M. Scholz, V. Micken und K. Hütz nach Piacenza/ltalien zu Herrn Guiseppe Zanaboni und schauen sich dort italienische Orgeln an.

14. März 1989 – Das Ergebnis dieser Orgelexkursion veranlaßt den Orgelbauer eine Änderung der bestehenden Pläne vorzunehmen. Die Windversorgung wird auf drei Schwimmerbälge erweitert und die Registerzüge als Registerschwerter ausgebildet. Damit ist der Preis für die Orgel mit DM 417.000,- anzusetzen, welcher auch vom Kirchenvorstand bewilligt wird. 10.89 - In diesem Monat beginnen die Werkstattarbeiten an unserer Orgel. Pastor Schumacher und Karl Hütz begleiten den Werkstattaufbau durch zahlreiche Besuche.

 

9. Dezember 1989 – Die Arbeiten sind soweit fortgeschritten, daß eine Besichtigung durch interessierte Gemeindemitglieder unternommen wird. Mit Beteiligung des Kirchenchores fährt ein voll besetzter Bus nach Hellenthal. Dort ist bereits das Gehäuse und die Windanlage sowie das Spieltischchassis aufgebaut. V. Micken und F. Weimbs erklären den Besuchern, welche Arbeitsgänge zum Bau dieser Orgel notwendig sind. Nach Kaffee und Kuchen gestaltet der Kirchenchor die Abendmesse in Hellenthal. Bis Ostern 1990 läuft die Vormontage auf vollen Touren. Alle Teile werden an- und eingepaßt. Nach Ostern tritt die Orgel ihre Reise nach Mönchengladbach-Waldhausen an.

 

18. April 1990 – An diesem Mittwochmorgen wird unsere Orgel ausgeladen und in Einzelteilen in unsere Kirche gebracht und auf die Empore gehieft. Stück für Stück wird auf der bereits im Herbst d. Vorjahres umgebauten Empore mit ihrem Orgelpodest die neue Orgel montiert. Der technische Aufbau nimmt drei Wochen in Anspruch.

 

7. Mai 1990 – Danach beginntdie Intonation, d.h. jede Pfeife wird auf Klangfarbe, Tonhöhe und Anspraehe abgestimmt. 25 Register, verteilt auf Grand'organo, Espressivo und Pedale, bestehend aus 1.724 Pfeifen, gehen ihrer Vollendung entgegen. Die Intonation wird von Herrn Friedb. Weimbs und Herrn M. Scholz durchgeführt. Der Organist kann immer neue Klangmöglichkeiten ausprobieren. 1. 8. 90 - Die Arbeiten an unserer Orgel sind abgeschlossen. 9. 9. 90 - Die Gemeinde St. Peter Waldhausen wird an diesem Sonntagmorgen ihre neue Orgel in Empfang nehmen. In einem feierlichen Hochamt soll sie nach ihrer Weihe das "Große Lob Gottes" durch ihren Klang verkünden und der Gemeinde für viele Generationen eine Dienerin in der "musica sacra" sein.

 

Karl Hütz

Disposition (Registeranordnung am Spieltisch)

 

Hauptwerk C – g'''

 

01 | Voce umana – 8'

02 | Cornetta – 1,3/5'

03 | Flauto in XII – 2,2/3'

04 | Flauto in VIII – 4'

05 | Flauto coperto – 8'

06 | Principale – 8'

07 | Ottava – 4'

08 | Decimaquinta – 2'

09 | Due di Ripieno – 1,1/3'

10 | Quattro die Ripieno – 2/3'

11 | Tromba – 8'

Schwellwerk C – g'''

 

12 | Viola celeste – 8'

13 | Sesqialtera 2f – 2,2/3'

14 | Ottavino – 2'

15 | Flauto camino – 4'

16 | Viola di Gamba – 8'

17 | Principale di Lengo – 8'

18 | Principale – 4'

19 | Pipieno 4 file – 2'

20 | Oboe – 8'

21 | Trembolante GO & Esp.

Pedale C – f'

 

22 | Flauto in selva – 4'

23 | Basso – 8'

24 | Contrabasso – 16'

25 | Trombone – 8'

26 | Bombarda – 16'

Koppeln

 

• II-I

• I – P

• II – P

• Terza Mano (Super- oktavkoppel im GO von c° an)

 

Zusätzliche Register

 

• Rossinol

• Cassa

Disposition

 

KMD Viktor Scholz in Zusammenarbeit mit Prof. Guiseppe Zanaboni-Piacenza, Karl Hütz und Friedbert Weimbs

 

Gehäuse

 

V.Micken in Zusammen- arbeit mit Fr. Reidt

 

Intonation

 

Friedbert Weimbs und Martin Scholz

 

 

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